1990: Am Brandenburger Tor fließen Freudentränen, während sich andernorts über tausend Neonazis gewaltsam durchs frisch vereinte Land prügeln. Paula Fürstenberg, geboren 1987 in Potsdam, wächst mitten in dieser widersprüchlichen Zeit auf – geprägt von rechter Gewalt, Arbeitslosigkeit und Abwanderung im Osten, während offiziell von blühenden Landschaften die Rede war. In „Niewiedervereinigung" nimmt sie hundert kurze, mal wütende, mal zärtliche Zwischenrufe zum Anlass, die Leerstellen der deutschen Einheitserzählung freizulegen – jener Geschichte, die bis heute als demokratischer Glücksfall gefeiert wird, sich aber ebenso als Ursprung eines neuen Nationalismus lesen lässt. Fürstenbergs Schluss: Es braucht kein Zusammenwachsen zu einem Volk, sondern eine Sprache, die der tatsächlichen Vielfalt Deutschlands gerecht wird.