„Zugvögel" – Iwan Heilbuts wiederentdeckter Roman aus dem Exil
Buchvorstellung im Deutschen Exilarchiv der Deutschen Nationalbibliothek
„Heilbut? Nie gehört!" lautete 2006 der Titel eines Essays von Hans Magnus Enzensberger, mit dem er die Erinnerung an den zwischenzeitlich fast vergessenen deutsch-jüdischen Schriftsteller Iwan Heilbut wiederbelebte. 20 Jahre später also nun der berechtigt große Bahnhof für einen bedeutenden Vertreter der Exilliteratur und für seine „Zugvögel" in der Deutschen Nationalbibliothek, in deren Deutschem Exilarchiv sein Nachlass seit 1996 zu finden ist. Dass der rund 700 Seiten starke Roman nun erstmals im deutschsprachigen Original vorliegt, ist dem Commitment und der Kompetenz von Personen zu verdanken, die alle auf dem Podium zu sehen und zu hören waren: Dr. Sylvia Asmus, Leiterin des Deutschen Exilarchivs, Miryam Schellbach, Moderatorin des Abends und Programmleiterin des Claassen-Verlags im Ullstein-Verlag, der den Mut hatte, dieses Buch zu veröffentlichen und Peter Graf, der immer wieder literarische Entdeckungen aus dem Exil ans Tageslicht bringt und nun die „Zugvögel" bei Claassen herausgegeben hat. In der lebendigen Mischung aus ambitionierter Diskussion und den von Stephan Bittoun wunderbar gelesenen Romanpassagen ist uns Iwan Heilbut gestern als ein Autor von großer narrativer Kraft und souveräner Stilsicherheit, aber auch humorvoller, menschlicher Wärme entgegengetreten. Als jemand, dem es in seiner autobiografisch grundierten Geschichte gelingt, trotz Flucht und Angst, Heimatlosigkeit und Exil überzeugend und empathisch von Hoffnung zu erzählen. Darum – und auch, weil die Inhalte der „Zugvögel" in ihrer Gegenwärtigkeit und politischen Dimension gerade so mitten in unserer Lebenswelt stehen – wünsche ich diesem Buch viele Leserinnen und Leser. Für mich war es gestern eine Freude, aus Köln angereist zu sein und bei der Gelegenheit auch Edita Koch wiederzutreffen, die Leiterin des Frankfurter EXIL-Verlags, der sich, nicht zuletzt durch seine Zeitschrift EXIL, nun schon seit über 40 Jahren mit großer Kenntnis und Engagement im Thema bewegt.
Manfred Luckas ist Autor, Lektor und promovierter Literaturwissenschaftler. Er war u. a. für den WDR und das Goethe-Institut tätig und ist seit 2013 Vorsitzender des Freien Deutschen Autorenverbands NRW.
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